1918 – 1945 Weimarer Republik bis Kriegsende

1918 – Der Wiederbeginn

Nach dem Krieg ging es schnell wieder bergauf; zu dieser Zeit hatte er Turner und Leichtathleten, die den Verein weit über die Grenzen der Heimat hinaus bekannt machten: Alois Babel, Josef Babel, Luitpold Babel, Johann und Josef Zweng, Leopold Nowack und Karl Vogler.

1920 – Neuer Vorstand und erste Ehrenmitglieder

Willi Fuchs

Willi Fuchs

Turnfest in Pfronten im Jahr 1920

Turnfest in Pfronten im Jahr 1920

Am 1. Februar übernahm Willi Fuchs das Vereinsschifflein mit 147 männlichen und 7 weiblichen Mitgliedern. Große Sorge bereitete der Übungsraum. An eine Turnhalle wagte man zunächst gar nicht zu denken. 1920 bildete sich eine Damenriege.

Dr. Robert Bosch war das prominenteste und berühmteste Ehrenmitglied. Bereits 1920 wurde er zusammen mit dem größten Förderer Des TSV Ing. Heinrich Haff zum Ehrenmitglied ernannt. Die Ehrenmitgliedschaft bekamen im gleichen Jahr auch Hans Lohner, Baptist Filleböck und Heinrich Münchenbach.

1921 – 1924 Vereinsfahne und erster Bayrischer Meistertitel

1922 Sportkameraden am Pauschenpferd

Die Sportfreunde Vogler, Münchenbach, Hitzlberger und Nowak (v.l.n.r.)

Im Jahr 1921 wurde vom Verschönerungsverein ein Teil der Weidachanlagen als Turn- und Übungsplatz gepachtet. Der Zollstadel (Rathaus) diente den Turnern als Übungsraum. Nur zwei Jahre später gelang die Anschaffung einer Vereinsfahne. Diese kostete damals 10.000 Mark und wurde im Jahr 1924 feierlich eingeweiht. Pfrontener Turner und Leichtathleten nahmen in dieser Zeit an Bayerischen und Deutschen Meisterschaften und Turnfesten mit großem Erfolg teil. So wurde 1923 Josef Babel beim Deutschen Turnfest in München im Deutschen Fünfkampf Vierzehnter, auf dem Landesturnfest in München sogar Turnfestsieger.

Ebenfalls im Jahr 1923 musst der Zollstadel abgebrochen werden. Das Holz wurde dem TV kostenlos überlassen und diente als Grundstock für den späteren Bau der Turnhalle.

Nur ein Jahr später errang Josef Babel beim Bayerischen Landesturnfest in München den Bayerischen Meistertitel im Sechskampf. Beim Deutschen Turnfest in Hannover belegte er den beachtlichen 13. Platz. Am 26. März 1924 wurde der Turnverein beim Amtsgericht Füssen in das Vereinsregister eingetragen.

1924 Blasmusik zur Fahnenweihe in Pfronten-Berg

1924 – Blasmusik zur Fahnenweihe in Pfronten-Berg

1924 - Gruppenfoto zur Fahnenweihe

1924 – Gruppenfoto zur Fahnenweihe

1925 – Zweimal Bayerischer Meister

Sportlicher Höhepunkt 1925 war der zweite Bayerische Meistertitel für Josef Babel im Sechskampf und der Bayerische Meistertitel im Kugelschocken. Im Hochsprung belegte Josef Babel den 3. Platz. Auf nationaler Ebene gehörte Josef Babel zu den 10 besten deutschen Turnern. Beim Deutschen Turnfest in Leipzig wurde er 2. beim Kugelschocken und 10. im Sechskampf.

1926 – Bau der Turnhalle

Am 28. August 1926 wurde der denkwürdige Beschluss zum Bau einer Turnhalle gefasst. Dem Bauausschuss gehörten Willi Fuchs, Eduard Neumayer, Josef Keller (langjähriger Kassier), Ing. Heinrich Haff, Ing. Rudolf Wetzer, Josef Dinser, Franz Haff und Josef Babel an. Dank des Idealismus der Mitglieder, die hunderte von Arbeitsstunden leisteten, und edler Spender gelang das Werk.

1928 - Einweihung der Turnhalle

1928 – Einweihung der Turnhalle

Der Platz wurde von Ludwig Stöger, ebenfalls einem großen Förderer des Vereins, erworben. Die Bodenfläche betrug damals ca. 4 Tagwerk. Die damals politische Gemeinde Pfronten Steinach gewährte einen Baukostenzuschuss von 15.000,00 Mark und Pfronten Berg 10.000,00 Mark für den Bau der Turnhalle. Der Baubeginn war der 28. August 1926. Dem Hebauf am 13. November 1926 folgte am 28. Januar 1928 die Eröffnung der Halle in Anwesenheit einer großen Zahl von Ehrengästen und Vertretern der Nachbarvereine. Ing. Haff und Ing. Wetzer erhielten die höchste Bayerische Turnerauszeichnung, das „Große Goldene Ehrenblatt“.

Beim Deutschen Turnerfest gelang Josef Babel unter 2500 Teilnehmern ein hervorragender elfter Platz. Bei den Deutschen-Mehrkampfmeisterschaften gelang dem Verein hinter Lindau und Augsburg in Schwaben ein sehr guter dritter Platz.

1928 und 1929 – Leichtathletik und Turnen im Aufwind

1929 - Damenturnerinnen

Olga Schoell, Baerbel Babel, Carla Haug, Luise Zweng, Maria Eberle und Hedwig Osterried im Jahr 1929

Im Jahr 1928 wurde zum 2. Mal eine neue Damenriege gegründet. Für den sportlichen Aufschwung der Damenabteilung war die ausgebildete erste Gymnastiklehrerin Frau Kommerzienrat Clara Haff verantwortlich.

Aushängeschild war 1928 die Staffelmannschaft mit den Läufern Josef Köpf, Xaver Schmid, Hans Keller und Brenner. Sie wurden Sieger bei den Kreis- und Bezirksmeisterschaften und als Krönung errangen sie die Bayerische Meisterschaft im Staffellauf über 3 x 1.000 Meter.

Auf nationaler Ebene sorgte Josef Köpf mit einem dritten Platz bei den Deutschen Meisterschaften im 10.000 Meter Lauf für Aufsehen. Die Leichtathletik nahm in diesen Jahren überhaupt einen großen Aufschwung. Josef Köpf, Josef und Martin Aletsee, Hans Münz, Mang Trenkle, Max Rist, Kommerzienrat Rat Haff, Olga Schöll und Lore Haff trugen eine Menge beachtlicher Siege nach Hause. Olga Schöll avancierte zu den besten Spitzensportlern in Bayern.

1930 und 1931 – Finanzielle Sorgen

Rein sportlich war das Jahr 1930 für den Verein wieder ein sehr erfolgreiches. Bei den Baye<rischen Meisterschaften konnten die Turner und Leichtathleten gleich zwei Meistertitel bejubeln.

Die Vorstandschaft aber plagten in den kommenden Jahren große finanzielle Sorgen, die nur durch große Opferbereitschaft ihrer Gönner und Ehrenmitglieder Herrn Gemeinderat Dr. Robert Bosch aus Stuttgart, Ing. Heinrich Haff und Ing. Rudolf Wetzer gemildert werden konnten. Der erhoffte Staatszuschuss für die Turnhalle ließ immer noch auf sich warten. Die Gemeinde half mit 10.000,00 Mark, dem Verein aus der misslichen Lage.

Einen schweren Verlust musste der Verein durch das Ableben seines hochverdienten Gönners und Ehrenmitglieds Kommerzienrat Heinrich Haff hinnehmen.

1931 kam die Zusage des langersehnten Staatszuschusses. Die schlechte wirtschaftliche Lage übertrug sich auch auf die sportlichen Leistungen. Durch Arbeitslosigkeit gingen die Mitgliederzahlen zurück. Viele bestritten ihren Vereinsbeitrag durch Arbeitsleistung.

1932 – Aus dem TV Pfronten wird der TSV Pfronten

1932 - Kugelstossen Damenriege

1932 – Kugelstossen Damenriege

Das wichtigste Ereignis im im Jahr 1932 war der Anschluss des bereits 1925 gegründeten FC Pfronten an den TV Pfronten. Mit der Fußballabteilung wird der TV in einen Turn- und Sportverein (TSV) umgewandelt und erfährt einen gewaltigen Aufschwung.

Josef Köpf wird in diesem Jahr über 5.000m Bayerischer- und Süddeutscher Meister. Die Vereinsstaffel des TSV holte beim Großstaffellauf in Kempten einen sehr guten 2. Platz. Beim Frauengauturnfest in Nördlingen belegten Olga Schöll und Lore Haff die ersten Plätze.

Während der Zeit der großen Arbeitslosigkeit diente die Halle als Auszahlungsort für die Arbeitslosenunterstützung und als Kursraum für Arbeitslose.

1933 – 1936 Gründung der Handballabteilung

1935 - Hedi Kolb, Hilde Steiger und Elsa Schwaeller

1935 – Hedi Kolb, Hilde Steiger und Elsa Schwaeller

Josef Aletsee gründete 1933 eine Handballabteilung. Die sportlichen Erfolge der nächsten Jahre konnten sich würdig an die früheren Jahre anschließen. Josef Köpf wird unter 1.000 Teilnehmern 13. im 5.000 m Lauf und der Verein reiht sich durch die vielen Erfolge in die Spitze der Bayerischen Turnerschaft ein.

Außerdem stand in diesem Jahr die Zwangsversteigerung der Halle bevor. In letzter Not kam endlich der Staatszuschuss, so dass der Schuldenstand auf 19.400,00 Mark absank – für damalige Verhältnisse immer noch eine recht drückende Last.

1936 - TSV Turnerinnen

1936 – TSV Turnerinnen

Auch in sportlicher Sicht ging es wieder aufwärts. 7 Pfrontener Sportler nahmen am 15. Turnfest in Stuttgart teil und brachten beachtliche Erfolge mit nach Hause. Am 14. und 15. Oktober stiftete der unvergessene bayrische Volkskomiker „Weiß Ferdl“ und der Kemptener Geschäftsmann Franz Tröger neben anderen Gönnern Pokale für das stattfindende Handballturnier. Der Mitgliederstand betrug am 01.05.1934 229 Erwachsene und 91 Jugendliche.

1935 feierte die Fußballabteilung das 10-jährige Gründungsfest. In den Verbandsspielen standen man an 2. Stelle. Lore Haff, Olga Schöll, Rudolf Keller und Ludwig Schneider gewannen insgesamt 11 Kreismeisterschaften. Große Erfolge feierte 1936 die Damenmannschaft bei den Bayerischen Vereinsmeisterschaften. Unter starker Konkurrenz belegten sie in der Klasse B den 1. Platz.

1937 – Skiabteilung gewinnt viele Titel

1937 werden Frau Kommerzienrat Clara Haff, Willi Fuchs, Josef Babel, Josef Keller, Eduard Neumayer und Karl Vogler mit dem Ehrenblatt der Bayerischen Turnerschaft.

Vor allem die Skiabteilung ließ in diesem Jahr aufhorchen. Gleich zwei Allgäuer Meisterschaften und zwei Bayerische Meisterschaften richtete der TSV aus. Höhepunkt im Jahr 1937 war die Ausrichtung der Allgäuer Skimeisterschaften im Langlauf und Skisprung durch die Skiabteilung des TSV. Lore Haff wurde Allgäuer und Bayerische Meisterin im Abfahrtslauf.

Gogo Mayr erreichte 1937 die Allgäuer und die Bayerische Meisterschaft in der Alpinen Kombination und vertrat Deutschland international in der Schweiz.

1938 – Erfolge im Sommer und Winter

Beim Deutschen Turnfest in Breslau erreichte Lore Haff-Winkelmann den fünften Platz. Olga Schöll gewinnt in fünf verschiedenen Disziplinen Kreismeistertitel. Im Winter verteidigt Lore Haff-Winkelmann ihren Allgäuer Meistertitel im Abfahrtslauf. Gogo Mayr wird in der gleichen Disziplin ebenfalls Allgäuer Meister.

1939 – 2. Weltkrieg rückt den Sport in den Hintergrund

Im Jahr 1939 brachte erneut ein unseliger Krieg alles zum Erliegen, denn die Masse der Turner und Sportler wurden eingezogen. Die Turnhalle diente während der Kriegsjahre zur Lagerung von Getreide. Die wenigen zu Hause verbliebenen Mitglieder sahen ihre Aufgabe in erster Linie in der Erhaltung des Vereinsvermögens.

1942 – Robert Bosch stirbt in Stuttgart

Robert Bosch

Robert Bosch

Während des Krieges verstarb am 12. März 1942 Geheimrat Dr. Robert Bosch, Ehrenmitglied, berühmtester und hochverdienter Gönner des TSV Pfronten in Stuttgart an einer Ohrenentzündung. „Lieber Geld verlieren als Vertrauen“ ist eines seiner bekanntesten Zitate. Werte wie Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit und Legalität waren das Fundament seines unternehmerischen Handelns – und gelten für sein Unternehmen bis heute.